Geburtsbericht 2.0 – die krassesten 100 Minuten meines Lebens

Morgen wird unsere kleine Laura schon zwei Monate alt – Zeit für mich, die letzten Wochen Revue passieren zu lassen und mich an einen Geburtsbericht heranzuwagen.

Eins steht fest: es hatten mal wieder alle Recht. Keine Schwangerschaft ist wie die andere, kein Kind ist wie das andere und keine Geburt ist wie die andere.

War bei Anna meine größte Angst die Einleitung, so habe ich mir die bei Laura fast schon gewünscht, weil sie alles planbarer macht und ich ja Pläne liebe. 😉 Natürlich kam es dann doch wieder anders als gedacht. Die befürchtete Wiederholung der Schwangerschaftscholestase blieb aus und so fand ich mich am errechneten Termin morgens um 11 Uhr in der Klinik wieder. Routineuntersuchung am Samstag, 14. September 2019. Abgesehen davon, dass Laura „sehr zierlich“ sein sollte, was mir während der ganzen letzten Wochen gesagt wurde und mich deswegen nur geringfügig beunruhigte, war alles gut und ohne Anzeichen einer baldigen Geburt.

Also fuhren wir am Nachmittag zu dritt wieder zurück nach Hause. Michi ging mit Anna zum Spielplatz und ich war mit einer Freundin etwas trinken, „es könnte ja das letzte Mal sein bevor die Kleine kommt.“ Irgendwie konnte ich das Ganze aber nicht mehr richtig genießen. Bis zum ET hatte ich immer jedem gesagt, dass ich noch nicht bereit sei für die Geburt, dass sie meinetwegen noch länger drin bleiben kann. Das war an dem Tag nicht mehr so. Am liebsten wäre ich gleich zur Entbindung im Krankenhaus geblieben. Doch es blieb alles ruhig. Gegen 18 Uhr sind wir dann nach Hause aufgebrochen und unterwegs habe ich Michi und Anna am Spielplatz aufgegabelt. Er ist dann noch schnell zum 7 Gehminuten entfernten Supermarkt geradelt während ich mit Anna Abendessen vorbereitet habe. Und dann sollte alles ganz schnell gehen.

Kurz vor 19 Uhr zu Hause: Abgang Schleimpfropf gefolgt von Blasensprung während ich mit Anna am Tisch saß, Michi war noch nicht vom Einkaufen zurück

19:10 Uhr: Wehen setzen ein, Michi kommt zum Glück heim, übernimmt Anna, macht sie bettfertig. Zwischen den Wehen schreibe ich meinen Schwiegereltern und unserer gegenüber wohnenden Freundin (mit der ich zwei Stunden früher noch etwas trinken war) sie sollen sich bereithalten, weil es bald losgehen könnte.

19:25 Uhr: Anna liegt im Bett. Die Freundin ist da, um aufzupassen bis die Schwiegereltern da sind.

19:40 Uhr: Wir sind auf dem Weg ins Krankenhaus, der Wehenabstand wird schnell kürzer. Wehen im Auto veratmen gehört definitiv nicht zu meinen Highlights. Die Schwiegereltern machen sich ebenfalls auf den Weg – die Anfahrt dauert regulär ca. zwei Stunden.

20:03 Uhr: Wir parken vor dem Krankenhaus und ich schaue noch im Auto auf die Uhr um den Wehenabstand zu kontrollieren, es sind ca. 3 Minuten. Noch vor dem Krankenhauseingang kommt schon die nächste Wehe. Ich merke, dass es jetzt Zeit wird zum Kreißsaal zu kommen.

20:10 Uhr: Nach einer weiteren Wehe im Aufzug, kommen wir im Kreißsaal an. Und ja, alle hatten Recht: als Zweitgebärende wird man ernster genommen und schneller in den Kreißsaal gebracht. 😉 Dort sollte ich mich erstmal hinlegen und wurde ans CTG geschlossen. Michi wurde mit meinen Unterlagen zur Anmeldung ins Erdgeschoss geschickt, die Hebamme ging ebenfalls raus, ohne mich vorher zu untersuchen.

In dieser Zeit alleine im Kreißsaal kamen noch etwa zwei heftigere Wehen, bei denen ich anfing über PDA und Badewanne nachzudenken, bevor ich dann von einer heftigen ersten Presswehe überrollt wurde.

Da bekam ich Panik! Ich war allein im Kreißsaal, ohne meinen Mann, ohne Hebamme, ohne eine Ahnung wo der Notfallknopf ist. Mein Versuch um Hilfe zu rufen scheiterte ebenfalls kläglich.

Und dann kam Michi gottseidank wieder zurück. Ich machte ihm wohl unmissverständlich klar, dass er jemanden holen sollte. Dank der Nachricht, die er noch im Aufzug an seine Eltern schickte, konnten wir später die Uhrzeit nachvollziehen:

20:32 Uhr: Die Hebamme kam, untersuchte meinen Muttermund (zum ersten Mal) und sagte: „Ok, der ist vollständig geöffnet, das Kind kommt jetzt.“ Obwohl ich das ja eigentlich bereits wusste, war ich irgendwie schockiert. Ich war doch eben noch daheim, Das ging doch alles viel zu schnell! Schon kam die Gynäkologin angerannt und ich hatte weitere Presswehen, die ich nur aushalten konnte, weil es so schnell ging. Währenddessen haben die Hebamme und die Ärztin zwei Menschen am Telefon erklärt, dass „in der 4 jetzt das Kind der Zweitgebärenden kommt“, was die Menschen am jeweils anderen Ende hörbar überraschte. Genau wie mich.

20:42 Uhr: Nach weiteren drei Presswehen wurde Laura geboren. Von Zierlichkeit keine Spur: gesunde 3160g auf 51cm. Was für eine Erleichterung, was für ein Glück! Ich war und blieb aber auch einfach fassungslos. Ich konnte einfach nicht glauben, was da in den letzten 1 Stunde und 40 Minuten abgelaufen ist. 100 Minuten – und meine kleine Tochter war geboren. Ich bin wieder Mama geworden. Ich habe mein kleines Baby in den Armen. Wahnsinn! Die Euphorie und der Stolz, die ich bei Annas Geburt empfunden habe, blieben dieses Mal aus. Ich war einfach sprachlos. Aber auch glücklich, schockverliebt in dieses Miniwesen und im Endeffekt auch dankbar, dass ich noch einmal so eine schöne, wenn auch sehr andere Geburt erleben durfte.

Schnell, intensiv, heftig – ohne PDA, was dieses Mal meine größte Angst war. Aber wieder mit dem Gefühl, es geschafft zu haben, zusammen mit meinem wunderbaren kleinen Mädchen.

Christine <3

P.S.: Auch dieses Mal hatte ich keine relevanten Geburtsverletzungen, dank EPI-NO, Himbeerblättertee, Dammmassage und Akupunktur. Ein Hoch auf die Geburtsvorbereitung!

 

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