Schlaf, Kindlein, schlaf – wie mich meine 17 Monate alte Tochter fast zum Verzweifeln brachte bis ich sie verstand

Schlaf-Kind-17-Monate-Einschlafen

„Schläft sie schon?“ – diese Frage gepaart mit einem ungläubigen Blick hörten wir von jedem unserer Gäste oder Eltern, jedes Mal wenn einer von uns Anna ins Bett gebracht hatte und nach fünf Minuten wieder bei den anderen auftauchte.

„Ihr habt es ja gut, so ein unkompliziertes Kind“. Vergessen waren die ersten elf Monate, in denen Anna nur nach langem Geschrei, mit viel warmer Milch und intensiver Einschlafbegleitung von Mama oder Papa endlich eingeschlummert ist.

Und so war es tatsächlich. Annas Einschlafprozess war der Traum jeder Eltern: nachdem wir im März aus Australien zurückgekommen waren, haben wir sie aus dem Beistellbett in ihr eigenes Zimmer ausquartiert. Komplett problemlos für sie, wenn auch anstrengender für uns, weil wir plötzlich mehrmals in der Nacht aufstehen mussten anstatt ihr wie bisher einfach im Halbschlaf den Schnuller zu geben. Aber das war ok für uns, Hauptsache sie akzeptierte ihr eigenes Bett in ihrem eigenen Zimmer. Das Beste aber war, dass wir irgendwann rein zufällig herausfanden, dass sie uns gar nicht mehr beim Einschlafen brauchte. Ganz im Gegenteil, wenn einer von uns bei ihr im Zimmer blieb, ist sie sogar schlechter eingeschlafen. So hat es sich also seit April eingespielt, dass das Ins-Bett-bringen innerhalb von fünf Minuten erledigt war.

Ab in den Schlafsack, den leuchtenden Nachtschnuller rein, ihr Schnuffeltuch, einen Gute-Nacht-Kuss und „schschschsch“ sagen, bis man aus der Tür raus war. Das wars!

Sie hat dann manchmal noch einige Minuten vor sich hingesungen oder eben auch nicht und ist ganz allein eingeschlafen. Definitiv beneidenswert, wie uns auch quasi alle befreundeten Eltern immer wieder bestätigten. Wir waren also im Einschlafszenario-Traumland aller Eltern angekommen. Aber auch das sollte ja nur eine der berühmten Phasen sein, wurden wir von allen Seiten gewarnt. Und leider sollte sich das diese Woche auch bewahrheiten.

Denn der Elterntraum nahm ein jähes Ende: nach einem ganz normalen Wochenende zu dritt daheim in München, war Anna am Montagmorgen sehr knatschig und anhänglich. Kein Wunder, sie bekommt schließlich seit zwei Wochen gefühlt sechs Zähne gleichzeitig und befindet sich laut der „Oje, ich wachse“-App mitten im zehnten und letzten Sprung.

Was sich dann aber nach dem Mittagessen beim Ins-Bett-bringen abspielte, übertraf alles bisher Dagewesene: als ich sie, ganz unserem Ritual getreu, in den Schlafsack legen und ihr den Nachtschnuller geben wollte, drehte sie plötzlich vollkommen durch.

Sie begann sich herumzuwinden, schleuderte den sonst so geliebten Schnuller ans andere Ende des Zimmers und schrie wie am Spieß. Ich habe mich total erschrocken und dachte sie hat Schmerzen. Zahnschmerzen natürlich, was sonst. Also gab ich ihr die am Bett bereit stehenden Osanit-Kügelchen. Die beruhigen sie normalerweise so, dass sie dann auch den Schnuller nimmt. Aber hier: keine Chance! Auch das Dentinox-Gel half nicht, sie drehte immer mehr auf und schrie sich in Rage. Tränen flossen, lautes Schluchzen und gellendes Geschrei – so hatte ich Anna bisher noch nie ausflippen sehen.  Ich wusste mir nicht anders zu helfen, als sie wieder mit ins Wohnzimmer zu nehmen, ahnend, dass meine so geliebte Mittagspause heute ausfallen würde. So war es dann auch: nach zwei weiteren gescheiterten Versuchen habe ich frustriert aufgegeben. Jedes Mal, wenn wir aus dem Kinderzimmer raus waren, hat sie aufgehört zu weinen und auch einigermaßen zufrieden vor sich hin gespielt.

Nachdem ich sie dann nachmittags gegen 16 Uhr erfolgreich davon abhalten konnte, im Kinderwagen einzuschlafen, habe ich mich nach dem Tag ohne Pause noch mehr als sonst gefreut, mein todmüdes Töchterchen wie gewohnt gegen 19 Uhr ins Bett zu bringen. Aber kaum wollte ich sie in den Schlafsack legen und ihr den Schnuller geben, wieder das gleiche Szenario: totales Durchdrehen, an schlafen nicht zu denken.

Ich wusste mir nicht mehr zu helfen, hab sie angefahren, was das soll und hätte am liebsten selbst laut geschrien. Dann hat mein Mann übernommen und siehe da: nach kurzem Aufschreien, als ich aus dem Zimmer ging – Ruhe! Zehn Minuten später hat sie geschlafen und Michi war zurück im Wohnzimmer.

Schlaf-Kind-17-Monate-Einschlafen„Das kann ja wohl nicht wahr sein“, war meine Reaktion nachdem ich alles per Babyfon mitverfolgt hatte. Er meinte, dass das sehr wohl sein kann und auch oft genug schon umgekehrt war. Dass es halt undankbar ist, aber einer oft 90 % der Arbeit macht und der andere dann ablöst und mit den restlichen 10 % leichtes Spiel hat. Ok, das konnte ich so akzeptieren. War halt ein blödes Gefühl. Aber ich hab den Tag dann einfach abgehakt.

Am Dienstag hatte ich dann zugegebenermaßen etwas Angst davor, Anna um 11:30 Uhr zum Mittagsschlaf ins Bett zu bringen, doch alles lief wie immer. Sie protestierte nicht und schlief ihre gewohnten zwei Stunden. Ich war erleichtert! Auch abends brachte ich sie wieder ins Bett, Michi stand für den Notfall bereit, aber alles gut. Alles wie immer! Also war der Montag einfach ein Scheißtag und fertig. Michi ging mit einem Kumpel auf ein Bier und ich machte mir einen gemütlichen Fernsehabend. Um 23 Uhr, als ich schlafen gehen wollte, meldete Anna sich. Ich dachte sie braucht den Schnuller, aber nein: als ich reinkam, war sie hellwach und ist – Überraschung – vollkommen ausgeflippt. Ich habe sie dann geschunkelt, habe Lalelu bis zum Erbrechen gesungen, habe ihr Wasser und Schnuller und Dentinox und Osanit und Chamomilla angeboten – nichts half. Dann kam Michi heim, hat übernommen, aber diesmal half auch das nicht. Wir haben sie dann irgendwann zu uns ins Bett genommen, wo sie anderthalb Stunden gespielt hat, bis ich irgendwann entnervt wieder ins Kinderzimmer bin und sie da gegen 01:30 Uhr endlich eingeschlafen ist.

Nur um dann am Mittwochmorgen um Punkt 7 Uhr wieder quietschfidel zu sein. Es war 7 Uhr, ich war noch nicht richtig wach, aber schon mit den Nerven am Ende. Immerhin hatte ich nachmittags eine Spielplatzverabredung, mein Lichtblick. Da konnte ich dann wenigstens mit Leidensgenossinnen reden und sie um Rat fragen. Aber erst einmal musste ich den Vormittag überstehen.

Anna war wieder knatschig, anhänglich, und ich hatte gar keine Lust sie herumzutragen oder mit ihr zu spielen. Ich war einfach müde und sauer auf die kleine Nichtschläferin.

Also war ich gereizt und Anna hat gejammert bis endlich Mittagessenszeit war. Im Gegensatz zu den letzten Wochen hat sie dann gestern richtig reingehauen und ich war froh. Wenigstens etwas läuft gut. Vielleicht klappt der Mittagsschlaf dann auch wieder. Aber nein! Die kleine übermüdete Maus wollte einfach nicht schlafen. Das gleiche bekannte Geschrei, Getobe und Schnuller-Rumgeschmeiße wie die Tage davor. Ich war am Ende. Total verzweifelt! Was war los? Warum wollte Anna nicht mehr, dass ich sie ins Bett bringe? Ich habe schnell aufgegeben und sie wieder mit ins Wohnzimmer genommen, den Fernseher angemacht, etwas gegessen und versucht, meine Pause auch mit ihr im Raum durchzuziehen, was natürlich nicht funktioniert hat.

Nachmittags am Spielplatz war Anna dann wieder das liebste Kind, total in ihrem Element und happy, mit anderen Kindern zu spielen und die neue Fläche zu erkunden. Da ihr auf dem Nachhauseweg gegen 18 Uhr natürlich vor lauter Übermüdung wieder fast die Augen zugefallen wären, war ich recht optimistisch was das Ins-Bett-bringen anging. Nur um erneut, exakt am gleichen Punkt und nach dem gleichen Schema, eines besseren belehrt zu werden. Ich habe sofort kapituliert und Michi geschrieben, dass er übernehmen muss sobald  er zu Hause ist, weil ich nicht mehr kann.

Weil Anna dann aber wenige Minuten später schon halb schlafend auf mir hing, habe ich doch nochmal mein Glück versucht. Und fand mich vor ihrem Bettchen sitzend wieder, sie schreiend, mich weinend.

Ich nahm sie raus und hab das schreiende Bündel im Arm gewogen bis Michi heimkam und sie mir abgenommen hat. Das war um 19:45 Uhr. Unmittelbar nachdem ich aus dem Kinderzimmer war, herrschte Ruhe. Und um 19:56 Uhr stand Michi mit dem Babyfon in der Hand neben mir. Es war zum Heulen! Annas offensichtliche Ablehnung hat mir so weh getan. Und mich so dermaßen wütend gemacht. Ich bin absolut dagegen Kinder schreien zu lassen und könnte das selbst auch nicht. Eigentlich. Gestern kam mir aber tatsächlich zum ersten Mal der Gedanke, dass ich das vielleicht doch irgendwann könnte, sollte dieser Psychoterror noch einige Tage weitergehen.

Ich fühlte mich nur noch elend, gescheitert. Warum macht sie das mit mir, obwohl ich seit ihrer Geburt quasi 24/7 für sie da bin? Ein Scheißgefühl.

Michi hat versucht mich zu trösten. Damit, dass es nur eine Phase ist. Dass sie auch schon Zeiten hatte in denen sie mich klar bevorzugte. Aber ich war einfach fertig. Das war zu viel für mein empfindliches Mamaherz.

Nachdem ich schon auf der Couch eingeschlafen war, gingen wir – aufs Schlimmste gefasst – früh ins Bett. Und wieder überraschte Anna uns: zwei Mal meldete sie sich, weil sie den Schnuller brauchte. Zwei Mal ging ich hin, gab ihn ihr und dann war wieder Ruhe.

Heute Morgen ist sie erst um 8 Uhr aufgewacht. Was für eine Erholung nach den letzten Tagen. Sie war super gelaunt und ich wieder optimistisch.

Der Vormittag verlief super, das Mittagessen so lala, aber sie ließ sich dann wider Erwarten ohne einen Mucks um 11:30 Uhr von mir hinlegen. Yuhu, ich war erleichtert. Damit sie nicht wieder zu lange schläft und die Nacht zum Tag macht, habe ich sie nach zwei Stunden geweckt. Alles gut. Wir hatten einen schönen Nachmittag am Spielplatz. Anna hat gut zu Abend gegessen und sich anstandslos die Zähne putzen lassen, was sonst immer ein Kampf ist. Da Michi heute einen Abendtermin hat, wusste ich auch, dass ich da heute allein durch muss, komme was wolle.

Und es kam wie es kommen musste: um 18:45 Uhr beim In-den-Schlafsack-legen ging der Zwergenaufstand in die nächste Runde. Nur dass ich dieses Mal gefasster war. Weniger verzweifelt und viel gelassener, weil ich mir einfach dachte „wir müssen jetzt da durch, beide, egal wie lange es dauert.“ Ich habe mich mit der schreienden und um sich schlagenden Anna hingesetzt und versucht, sie zu beruhigen. Da ich es jetzt mittlerweile schon nicht mehr so ausführlich wiedergeben könnte, hier nun eine Kopie der Nachricht, die ich Michi vorhin geschickt habe nachdem ich es endlich aus der Höhle der Löwin raus geschafft hatte:

[20.9., 20:06] Christine: Anna hat wieder Terror gemacht vorhin. Alles war gut bis zum Schnuller und Schlafsack, genau wie die letzten Tage. Aber ich hab’s jetzt ausgesessen.

Zuerst hab ich sie ins Bett gelegt und mich auf den Hocker gesetzt aber sie ist aufgestanden und hat mich angeschrien. Dann hab ich sie rausgenommen und im Sitzen auf dem Arm gehalten, aber sie hat weiter geschrien und getobt. Schnuller wollte sie nicht und hat ihn immer wieder auf den Boden geschmissen. Ich bin ruhig geblieben und hab ihr immer wieder gesagt, dass sie auf dem Arm bleiben oder ins Bett gehen kann aber wir nicht wieder rausgehen. Sie wollte die ganze Zeit auf den Boden oder raus und hat weiter geschrien. Irgendwann hab ich ihr ein Taschentuch hingehalten, weil ihre Nase gelaufen ist und da war sie glaub ich verdutzt und hat vergessen weiter zu schreien 😂 

Kurz drauf ging’s dann aber weiter. Ich hab immer wieder gefragt ob sie ins Bett oder den Schnuller haben will, sie hat immer „neeee“ gesagt und weiter geweint. Nach einer gefühlten Ewigkeit ist sie dann mit der Sprache rausgerückt und hat „Papa, Papa, Papa“ gesagt und auf die Tür gezeigt. 😢

[20.9., 20:09] Christine: Ich hab ihr dann erklärt, dass der Papa arbeitet und heute Abend nicht da ist. Sie hat immer weiter geweint und Papa gesagt und dann hab ich ihr gesagt, dass ich verstehe, dass sie traurig ist und ich das auch blöd finde dass der Papa arbeiten muss. Aber dass sie jetzt schlafen muss und der Papa dann morgen da ist, wenn sie aufwacht. Da hat sie sich dann nach und nach beruhigt und sich den Schnuller irgendwann selbst genommen. 😊

[20.9., 20:14] Christine: Ich hab sie dann ewig sitzend hin und her gewiegt und irgendwann ins Bett gelegt, sie hat kurz protestiert und ist dann aber liegen geblieben mit meiner Hand auf dem Rücken und ist eingeschlafen.

Das wär jetzt das perfekte Ende, wenn meine Ninja-Fähigkeiten nicht zu wünschen übrig ließen 🙈 Als ich fast draußen war, ist sie natürlich aufgewacht und wieder komplett durchgedreht.

Das war um 19:40, eine Stunde nachdem wir Zähne putzen gegangen sind. Wieder Geschrei und Drama, wollte kein Wasser, kein Taschentuch, keinen Schnuller. Nach erneutem Geschunkel hat sie irgendwann dann doch wieder den Schnuller genommen und sich Richtung Bett gestreckt. Ich hab sie reingelegt und sie ist einfach liegen geblieben, mit meiner Hand auf dem Rücken eingeschlafen und ich hab’s sogar mittlerweile auch ins Wohnzimmer geschafft. 😃
The End (hoffentlich) – und sie versteht WIRKLICH jedes Wort!! 🙄😍

Ich nehme jetzt einfach mal an, dass die Kleine dachte, SIE kann ab sofort entscheiden, wer von uns sie ins Bett bringen darf. Oder zumindest wollte sie das entscheiden. Und wenn es ihrer Meinung nach die falsche Person war, hat sie einen Aufstand gemacht, bis die richtige Person, ihr Papa, gekommen ist. Heute habe ich versucht, ihr ruhig zu erklären, dass das nicht geht. Und ich hoffe so, dass ich mir nicht nur einbilde, dass wir uns gegenseitig verstanden haben. Und dass sie bald akzeptiert, dass mal der eine, mal der andere sie ins Bett bringt. Hoffentlich ohne „Diskussion“.

So leidenschaftlich können wahrscheinlich nur Eltern über das Thema Schlaf schreiben, reden, diskutieren.

Aber ich hoffe, dass zumindest ein Gleichgesinnter beim verzweifelten Googlen diesen Artikel findet und dadurch Verständnis, Trost und vielleicht sogar eine kleine Hilfestellung bekommt. Dann hätte sich dieser schriftliche Gefühlsausbruch auf jeden Fall schon mal gelohnt. 🙂

Christine

Update von Freitagmittag: Die Nacht ging dann leider doch nicht wirklich harmonisch weiter. Anna hat sich gegen 2:30 Uhr gemeldet und konnte nicht mehr richtig einschlafen. Sie lag zwar ruhig da, aber nur solange ich regungslos daneben stand. Nach zwei, wegen knackenden Gelenken gescheiterten Rausschleichversuchen habe ich mich dann auf die glücklicherweise immer einsatzbereite Gästematratze neben ihr Bett gelegt. Sie hat zwar alle paar Minuten wieder kontrolliert, ob ich noch da bin, aber immerhin konnten wir beide so wenigstens dösen bis 4 Uhr, da habe ich zuletzt auf die Uhr geschaut. Dann haben wir beide bis 8 Uhr heute Morgen geschlafen.

Gerade habe ich sie zum Mittagsschlaf hingelegt und sie hat wieder angefangen zu protestieren. Dann habe ich ihr gleich erklärt, dass der Papa arbeitet und ich sie deswegen jetzt ins Bett bringen muss. Daraufhin hat sie dann den Schnuller genommen und sich beruhigt. Allerdings singt sie gerade noch, deswegen freue ich mich lieber nicht zu früh …

 

Ein Kommentar zu „Schlaf, Kindlein, schlaf – wie mich meine 17 Monate alte Tochter fast zum Verzweifeln brachte bis ich sie verstand

  1. Allgegenwärtiges Thema…ein sehr guter Beitrag. Wir erleben ähnliches. Nach unserem ersten Sommerurlaub im August, haben wir Hugo das Schlafzimmer überlassen & von da an schläft er in seinem eigenen Bett in seinem eigenen Zimmer. Es ist nach wie vor iwie komisch, aber für uns richtig so. Ich kann eure Erfahrung absolut teilen.
    LG, Richard von https://www.vatersohn.blog

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