Der 1. Geburtstag

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Was soll ich sagen … alle haben Recht gehabt: Wahnsinn, wie schnell ein Jahr verfliegt sobald man ein Kind hat. Anna ist vor zwei Wochen ein Jahr alt geworden, mein Baby ist jetzt also ein Kleinkind. Dass es emotional würde, habe ich mir gedacht. Dass mich aber am Tag VOR ihrem 1. Geburtstag die Gefühle dermaßen überrollen an dem Tag, an dem mir vor einem Jahr gesagt wurde, dass meine Werte schlecht seien, sie mich ambulant aufnehmen und die Geburt einleiten wollen damit hätte ich nicht gerechnet.

Ich hatte meinen Mann mit Anna zu seinem Bruder in den Biergarten geschickt, sodass ich in aller Ruhe backen, dekorieren und mich auf den Familienansturm am nächsten Tag vorbereiten konnte. Da wir am 15. April sogar Doppelgeburtstag feiern mein Mann Michi und Anna und ich ein Riesengeburtstagsfan bin, wollte ich den Tag für meine beiden Lieblingsmenschen perfekt machen. Als ich dann doch total abgehetzt in der U-Bahn saß, um am anderen Ende der Stadt eine heliumbefüllte 1 zu holen und ich auf die Uhr schaute, überkam es mich: 16:00 Uhr.

Genau zu der Uhrzeit vor einem Jahr bekam ich die erste Tablette zur Geburtseinleitung.

Damit wurde meine größte Angst während der Schwangerschaft, Einleitung, wahr. Nach einer Achterbahn der Gefühle „was ist mit Wunschkaiserschnitt?“, „es enden doch eh fast alle Einleitungen mit Kaiserschnitt“ begann dann das Warten auf die Wehen, vor allem dank dem guten Zuspruch der Ärztin und der Hebammen in der Taxisklinik.

In dem Moment in der U-Bahn habe ich angefangen die letzten Schwangerenfotos und die ersten Anna-Fotos inklusive Uhrzeiten auf meinem Handy anzuschauen und diese aufregendsten zwei Tage in meinem Leben Revue passieren zu lassen. Es war ein interessantes Gefühl zwischen Wehmut und Stolz und wäre ich da nicht gerade in einer vollen Münchner U-Bahn gesessen, wären mir die Tränen gekommen. Auf dem Rückweg waren meine riesengroße Luftballon-Eins und ich die Attraktion bei den Kindern und damit waren die Gedanken an vor einem Jahr auch erst einmal gebannt. Wieder daheim liefen die Vorbereitungen wie geplant weiter, meine bereits angereiste Mama kam zum Kaffee und abends haben wir in Michis Geburtstag reingefeiert keine Zeit mehr für Sentimentalitäten. 🙂

Am Geburtstagsmorgen bekam Anna dann zuerst unser Geschenk, eine Holzkugelbahn, und Michi zwei Tickets für unser erstes gemeinsames Konzert seit es Anna gibt: Nikolaus Wolf am 9. Mai in München. Die Freude war bei beiden groß und der erste Stein ist von meinem Herzen geplumst. Während Annas Mittagsschlaf haben meine Mama und ich die Wohnung dekoriert, das Kuchenbuffet aufgebaut und getratscht, sodass Annas Geburtszeit 13:07 Uhr einfach so an mir vorbeiging. Und sie hat ruhig weitergeschlafen.

Gegen 14 Uhr standen dann auch der Rest der Familie und ein paar Freunde mit Kindern vor der Tür und die Party ist gestartet. Auch alles viel unspektakulärer und harmonischer (es hatte im Vorfeld Missstimmung aufgrund unserer „Ein-Geschenk-pro-Paar-Politik“ gegeben) als ich erwartet hatte. Anna hat fröhlich gespielt und war weder durch die Menschenansammlung noch durch die vielen neuen Spielsachen aus der Ruhe zu bringen – zweiter Stein von meinem Herzen gefallen. Und der dritte: Michi konnte auch in Ruhe mit seiner Familie und Freunden auf seinen 32. Geburtstag anstoßen und hat mir sogar noch ein kleines Blumensträußchen für meine Leistung vor einem Jahr gepflückt. Ich habe mich so gefreut, war aber dennoch den ganzen Tag über nicht mehr so sentimental wie am Tag zuvor in der U-Bahn. Das war’s also. Der vieldiskutierte erste Geburtstag. In unserem Fall ein sehr schöner und friedlicher Tag mit unseren Lieben. Im Nachhinein nicht spektakulär, aber sehr berührend für mich als Mama und einfach unfassbar wie aus dem 2900 g leichten Bündel innerhalb von 12 Monaten unsere kleine liebe, freundliche, dickköpfige, ehrgeizige und neugierige Anna geworden ist.

Christine

 

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